Folge 30 · 19. August 2026 · 20:44
Ben Bauer
Krank ist krank. Ich werde richtig wütend, wenn ich eine kranke Person am Laptop sehe – aber wenn sie fit ist, will ich meine 100 %.
Ben Bauer führt ein Vertriebsteam mit 35 Menschen und verkauft beruflich das Versprechen von Flexibilität. Gleichzeitig arbeitet er in einer Rolle, die für das Gegenteil bekannt ist: Zahlen, Pipeline, Forecast, jeden Monat aufs Neue. Zweimal ist er dabei selbst im Burnout gelandet. In dieser Folge redet er darüber, was Höchstleistung wirklich kostet — und wer am Ende die Rechnung bezahlt.
Die Selbstlüge im Hochleistungsmodus
Ein Kalender ohne weiße Flecken sieht von außen aus wie Perfektion. Von innen ist er oft das Gegenteil: der Beweis, dass niemand mehr priorisiert. Ben beschreibt, wie lange er diesen Zustand für Leistungsfähigkeit gehalten hat — und woran er heute merkt, dass er wieder hineinrutscht. Der Kipppunkt liegt nicht bei der Arbeitsmenge, sondern bei dem Moment, in dem die Erholung zur Verhandlungsmasse wird.
Krank ist krank. Ich werde richtig wütend, wenn ich eine kranke Person am Laptop sehe — aber wenn sie fit ist, will ich meine 100 %.
Ben Bauer
Ausnahme oder strukturelles Problem?
Harte Phasen gehören dazu. Die entscheidende Frage ist, ob eine Phase eine Phase bleibt. Ben nennt einen Test, den Führungskräfte in unter einer Minute machen können: Lässt sich benennen, wann die Belastung endet, und ist dieses Datum schon einmal verschoben worden? Wer das nicht beantworten kann, hat kein Projekt mit Spitze, sondern eine Unterbesetzung mit Ansage.
Für HR ist das der Punkt, an dem aus einem individuellen Gesundheitsthema eine Kapazitätsfrage wird — und damit etwas, das sich planen statt betreuen lässt.
Champions League ohne Drehzahlbegrenzer
Bens Anspruch bleibt hoch, und er entschuldigt sich nicht dafür. Sein Argument: Fürsorge und Leistungsanspruch sind kein Widerspruch, solange beides ausgesprochen wird. Was nicht funktioniert, ist die stille Erwartung — dass Menschen von selbst erkennen, wann Einsatz endet und Selbstausbeutung beginnt. Diese Grenze zu ziehen ist Führungsarbeit, nicht Selbstfürsorge der Mitarbeitenden.
Was du mitnehmen kannst
- Ein voller Kalender ist kein Leistungsnachweis, sondern häufig ein Priorisierungsproblem.
- Frag bei jeder Belastungsspitze nach dem Enddatum — und danach, wie oft es schon verschoben wurde.
- Hohe Erwartungen sind legitim. Unausgesprochene Erwartungen sind es nicht.
- Wer krank arbeitet, spart dem Unternehmen nichts. Das gilt auch für Führungskräfte, besonders für sie.
Das ganze Gespräch dauert 20 Minuten und 44 Sekunden. Den Player findest du oben auf dieser Seite.