Heiko Banaszak
Führen ist im Jahr 2026 keine Ansammlung von Soft Skills mehr, sondern ein messbares Handwerk, das man beherrschen muss.
Zur FolgeThema im HR-Podcast
Wie künstliche Intelligenz und Automatisierung die Personalarbeit verändern — von automatisierten HR-Prozessen über KI im Recruiting bis zu der Frage, welche Datenqualität es dafür überhaupt braucht. Gespräche mit Menschen, die es umgesetzt haben, inklusive der Stellen, an denen es hakte.
Kaum ein Thema wird in der Personalarbeit so heiß diskutiert und so selten sauber umgesetzt wie künstliche Intelligenz. In den Gesprächen der HR-Innovators Lounge fällt dabei immer wieder derselbe Satz — und er handelt nicht von KI, sondern von dem, was ihr vorausgeht.
Die unbequeme Erkenntnis aus fast jedem Gespräch: Das Problem ist selten das Modell, sondern die Datenlage darunter. Wenn Stammdaten in fünf Systemen liegen, Jobtitel historisch gewachsen sind und niemand definiert hat, was ein „Eintritt" eigentlich auslöst, hat auch das beste Sprachmodell nichts, worauf es aufsetzen könnte.
Ohne HR-Basics keine KI: erst Prozesse und Datenfelder, dann der Chatbot.
Bentje Grünewald, Head of Compensation Systems
Dieselbe Beobachtung macht René Dresen mit Blick auf das Recruiting: Das Potenzial sei enorm, aber es hänge vollständig an der Datenqualität. Wer Bewerberdaten unstrukturiert führt, automatisiert am Ende vor allem die eigenen Fehler — nur schneller.
Dieser Satz fällt in der Lounge häufiger als jeder andere. Felix Jungnick beschreibt, wie sein Team im Recruiting zunächst den Prozess auseinandergenommen hat, bevor überhaupt über Werkzeuge gesprochen wurde. Michael Wahler geht bei der Softwareauswahl noch einen Schritt weiter: Ohne klares Zielbild kauft man Funktionen statt Lösungen — und die Extrawurst von heute ist die Migrationsbremse von morgen.
Praktisch heißt das eine unspektakuläre Reihenfolge:
Die brauchbarste Faustregel aus den Gesprächen: Automatisiere, was häufig vorkommt, regelbasiert abläuft und Zeit frisst. Das sind selten die spektakulären Dinge. Es sind Onboarding-Ketten, Vertragsänderungen, Bescheinigungen, Datenabgleiche zwischen Bewerbermanagement und Abrechnung — die Arbeit, die niemand vermisst, wenn sie verschwindet.
Reimund Riester beschreibt, was dadurch entsteht: nicht weniger Arbeit, sondern andere. Zeit für Fragen, für die vorher keine war.
Der häufigste Einwand — und der, bei dem die Gespräche am deutlichsten werden.
Wir automatisieren Prozesse in der Personalabteilung ja nicht, um den Menschen wegzurationalisieren, sondern um endlich wieder Zeit für ihn zu haben.
Nina Frey
Auch Klaus Härtel argumentiert aus der Krisenerfahrung heraus in diese Richtung: Je größer der operative Druck, desto wichtiger sei es, Routine abzugeben, um in den schwierigen Momenten ansprechbar zu bleiben.
Fehlt einer dieser Punkte, ist das kein Grund zu warten. Es ist die Aufgabe, die vor dem Werkzeug kommt.
Unten stehen alle Folgen zu KI und Automatisierung — jede rund 22 Minuten, mit Menschen, die es selbst umgesetzt haben.
Führen ist im Jahr 2026 keine Ansammlung von Soft Skills mehr, sondern ein messbares Handwerk, das man beherrschen muss.
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